Categories: The Stage Is Yours
      Date: 21. Juni 2011
     Title: Hannes Scheer

Es geht weiter mit unserer Reihe "The stage is yours". Dieses mal stellen wir Ihnen Hannes Scheer vor. Er versieht bereits seit 22 Jahren freiwilligen Dienst beim Samariterbund Wilhelmsburg. Im Gespräch erzählt er unter anderem warum er sich gegen das Bundesheer entschieden hat, wie er merkt, dass es niemanden schlecht geht und warum Erste-Hilfe-Kurse für die Bevölkerung so wichtig sind.



40 Jahre alt
Wohnt in Wilhelmsburg
Beruf: Medizinischer Masseur

Hannes, seit wann bist du schon beim ASBÖ Wilhelmsburg als Sanitäter tätig?

Seit dem 1. Oktober 1989 bin ich dabei, da hat mein Zivildienst begonnen. Eigentlich wollte ich zum Bundesheer, aber nachdem sie es sich bei der Musterung "mit mir verscherzt" hatten, bin ich eben zur Rettung gegangen.

Meine Motivation war schon damals simpel: Irgendwer muss es machen! Und weil die Arbeit für die Bevölkerung nach dem Zivildienst ja nicht enden muss, bin ich eben geblieben.

Und was hält dich heute noch hier bei uns?

Naja, jetzt ist diese Tätigkeit noch wichtiger und dringender geworden! Es sind zu wenige da, die das machen.

Eigentlich warte ich seit 20 Jahren darauf, dass man mir sagt, ich werde nicht mehr gebraucht, doch das Gegenteil ist der Fall.

Ich bin keiner, der das hauptsächlich deshalb macht, weil ich sage 'Ich machs gern', sondern einfach 'Ich machs, weil's nötig is'.

Heute bin ich auch deshalb noch da, weil ich einfach so mitgewachsen bin. Sowohl mit den steigenden Herausforderungen der Ausbildung (Schulungen usw.), als auch mit den verschiedenen Generationen an Menschen. Früher war es einfacher: Die Ausbildung war nicht derart intensiv und umfangreich, wie sie es heute ist, und es gab auch viel mehr Leute, die Dienst machten bzw. einfach machen konnten - wir waren da zum Beispiel eine Partie von der ÖSPAG.

Was machst du am liebsten im Dienst, und was magst du gerne daran?

*lacht* Am liebsten ist es mir, wenn ich morgens aufwache  und wir keinen Einsatz hatten - dann weiß ich nämlich, dass es niemandem schlecht geht.

Es ist mir immer wichtig gewesen, einen Dienstpartner zu haben, also jemandem, mit dem ich regelmäßig gemeinsam Dienst habe - das macht es schöner.

Außerdem habe ich Generationen von Zivildienern mitwachsen sehen und es immer genossen, dass wir einander respektieren und miteinander in Kontakt stehen. Mir liegt insgesamt sehr viel an unserer Dienststelle hier, anderswo würde ich keinen Rettungsdienst machen - einfach, weil ich genau hier unterstützen möchte.

Natürlich ist es auch bei Einsätzen schön: Wenn das bissl, was wir tun können, hilft! Das ist schön und man sieht, dass es eine sinnvolle Tätigkeit ist!

Zu guter Letzt sind übrigens genau die Abende, an denen ich Rettungsdienst habe, die ruhigeren in meinem Leben - es ist gemütlich, einfach ein bisschen fernzusehen, zu plaudern und Karten zu spielen.

Welche positiven Auswirkungen siehst du dank dem Rettungsdienst?

Nach 22 Jahren treffen einen gewisse Dinge sicher nicht mehr so, wie am Anfang. Ich habe gelernt, mit dem Tod umzugehen.

In Alltagssituationen habe ich schon erlebt, dass ich, dank meiner Ausbildung und Erfahrungen, in Notsituationen in der Lage bin, mit klarem Kopf zu helfen, während viele andere zu nervös sind oder einfach zu wenig wissen. Dafür bin ich in jedem Fall dankbar.

Positive Dinge werden zur Normalität - der Rettungsdienst ist also eine komplett sinnvolle Sache!

Und was ist dein Tipp an die Bevölkerung, Hannes?

Grundsätzliche Sachen, die für uns Normalität sind, sollten sitzen: Da es dauern kann, bis professionelle Hilfe kommt, können einfache Dinge wirklich helfen!

Es wäre also schon gut, wenn die Wilhelmsburger zumindest Grundkurse mehr oder weniger regelmäßig besuchen würden, denn Banalitäten können Leben retten. Die Laien-Erste Hilfe ist genauso wichtig wie der Rettungsdienst! Ich bin mir sicher, würden mehrere Menschen einfache Dinge wissen, könnte man mehreren Menschen helfen.

autor: Lena Walchshofer